Jahrgangsmischung

„Jahrgangsmischung ist die einzig vernünftige Lösung, wenn der Unterricht den fachlichen und sozialen Bedürfnissen der Schüler entgegenkommen soll.“
(Goodlad, Pädagoge, 1986)

Warum werden unsere Schüler jahrgangsgemischt unterrichtet?

Wir haben uns – nach reiflichen Überlegungen – als gesamtes Kollegium bewusst für den jahrgangsgemischten Unterricht entschieden, um der Heterogenität unserer Schüler gerecht zu werden:

Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, dass sich Kinder einer Altersstufe in allen Bereichen auf demselben Entwicklungsstand befinden oder dahin gebracht werden können. In einer jahrgangsgemischten Lerngruppe ist es für alle Beteiligten leichter, die Verschiedenheit und Andersartigkeit der Kinder – auch des gleichen Jahrgangs – zu akzeptieren und positiv für die verschiedenen Lernprozesse zu nutzen.

Selbstständiges und entdeckendes Lernen, eigentätige Wissensaneignung und Individualisierung der Lernprozesse sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen mit Langzeitwirkung. Sie erhalten gerade im jahrgangsgemischten Unterricht besondere Bedeutung.

Jahrgangsgemischte Klassen bieten ein reicheres Umfeld und werden den unterschiedlichen Lernansprüchen eher gerecht als die homogene Lerngruppe. „Stärkere“ wie „schwächere“ Schüler finden hier leichter ihren Platz und das für sie geeignete Lernumfeld.

Auch lernschwache Schüler kommen nach Einschulung der „Neuen“ in Situationen, in denen sie die Erfahrenen, die Helfer sein dürfen und können so ihr Selbstwertgefühl steigern.

„Es gibt nichts Ungerechteres als die gleiche Behandlung
von Ungleichen.“
(Branntwein)

Wie organisieren wir die neue Eingangsstufe an unserer Schule?

Bereits im Schuljahr 2003/04 beschäftigte sich das Kollegium mit der Jahrgangsmischung und der neuen Eingangsstufe mit individueller Verweildauer und fasste den Beschluss, sie im Schuljahr 2004/05 als Alternative zu den homogenen Klassen anzubieten. In den Folgejahren wurde die Jahrgangsmischung auf Wunsch der Eltern sowohl auf die Jahrgangsstufen 3 und 4 erweitert als auch die Anzahl der Klassen erhöht. Seit dem Schuljahr 2008/09 wurde – auch auf die Bitte des Bayerischen Kultusministeriums hin – das gesamte Haus auf die Jahrgangsmischung umgestellt.

Alle Kinder werden selbstverständlich exakt nach den Vorgaben des Bayerischen Lehrplans unterrichtet und beurteilt. Wir sind und bleiben eine Regelschule.

Der Unterrichtsvormittag ist rhythmisiert und geprägt von Methodenvielfalt: Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Ausweis- und Kurssysteme, Referate, Werkstattunterricht und Lernen durch Lehren bereichern den Unterricht. Offene Aufgabenstellungen (gute Aufgaben) stehen im Vordergrund.

Lernen findet im ständigen Wechsel zwischen miteinander, nebeneinander und voneinander statt. Jedes Kind absolviert in seinem individuellen Lerntempo die Aufgabenstellung, so selbstständig wie möglich, mit so viel Unterstützung wie nötig.

Die Lehrerin beobachtet und begleitet den Lernfortschritt, regt an und stellt Hilfen und Materialien bereit: sie bereitet die Lernumgebung für ihre Schüler vor.

Neben den alternativen Formen der Leistungsmessung (z. B. Portfolio) werden die Lernfortschritte von Zeit zu Zeit durch dem individuellen Lernstand jedes Kindes angemessene Tests erhoben und dokumentiert.

Erfordert ein Lerninhalt das Lernen in kleineren Teilgruppen, stehen zusätzliche Wochenstunden in der Jahrgangsmischung zur Verfügung, in denen ein zweiter Lehrer in die Klasse kommt. So kommen alle Kinder in den Genuss von zusätzlicher Förderung, „schwächere“ und „stärkere“.

Die Eingangsstufe besuchen die Schüler mindestens ein Jahr, längstens drei Jahre – je nach dem persönlichen Bedarf. Ein Wiederholen oder Sitzenbleiben findet nicht mehr statt, eine längere Verweildauer wird nicht mehr auf die Regelschulzeit angerechnet.

Ein wichtiges Lernprinzip:
Der Erfahrene hilft dem Unerfahrenen.

Wissen und Können werden nicht versteckt, sondern an den anderen weiter gegeben. Dies wird den Schülern vom ersten Schultag an vermittelt. So übernehmen Kinder, die schon länger in der Schule sind, in den ersten Schultagen viele Tätigkeiten, um den „Neuen“ das Eingewöhnen in der für sie noch ungewohnten Umgebung zu erleichtern.

Auch in der Folgezeit ergeben sich in den verschiedensten Unterrichtssituationen bzw. Unterrichtsformen immer wieder Gelegenheiten, in denen Schülerexperten ihr Wissen an die anderen weiter vermitteln. Die Lehrerin fragen wir erst dann, wenn wir trotzdem nicht weiter kommen. In vielen solcher Situationen kann auch der Jüngere der Erfahrene sein.

„Ich freue mich, dass neue Elekinder in die Klasse kommen und dass ich einem Elekind helfen kann. Ich freue mich, ein Mauskind zu sein!“

Häufig gestellte Fragen zum jahrgangsgemischten Unterricht

Lernt mein Kind nicht zu wenig, wenn es selbst mitbestimmen kann, wie und womit es seinen Lernweg gestaltet?

Im Gegenteil. Das Gefühl selbst mitzubestimmen, wie ich meinen Lernweg organisiere, hilft dem Kind, zur intrinsischen Motivation zu gelangen, der optimalen Voraussetzung für nachhaltiges Lernen.

Stören sich Kinder nicht gegenseitig beim Lernen, wenn jeder etwas anderes tut?

Es entstehen eher weniger Störungen, da die Kinder ihre Arbeitsaufträge ernster nehmen und intensiver beschäftigt sind. Lernanfänger wachsen rascher in eine Lernumgebung hinein, die bereits durch Rituale, Regeln und Arbeitsformen der Älteren geprägt ist.

Werden schnellere Kinder nicht durch die anderen gebremst und zu wenig gefördert?

Nein, jahrgangsübergreifender Unterricht ermöglicht gerade auch den leistungsstärkeren Kindern, ihren Möglichkeiten entsprechend schneller zu lernen.

Sind die Kinder dann in den weiterführenden Schulen nicht benachteiligt, wenn sie sich an das Lernen in der jahrgangsgemischten Gruppe gewöhnt haben?

Die Lernergebnisse und Leistungen jahrgangsgemischter Klassen unterscheiden sich kognitiv in keiner Weise von homogenen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten entwickeln die Kinder aber zusätzlich wichtige Kompetenzen im Bereich des selbstständigen und sozialen Lernens und Handelns. Außerdem sind Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wesentlich stärker ausgebildet.