Inklusion

Inklusion möglich machen

Es gibt viele gute Gründe, warum Kinder und Jugendliche in einer gemeinsamen Schule miteinander aufwachsen sollen!

Prof. Dr. Susanne Thurn, Leiterin der Laborschule Bielefeld, nennt auf dem 2. Forum des „Runden Tisches Gemeinschaftsschule Berlin“ im März 2009 im Abgeordnetenhaus von Berlin 20 gute Gründe, warum dies so sein soll.

Sie teilt diese guten Gründe in vier Kategorien ein: Neben ethischen gibt es historisch-politische, wirtschaftliche, didaktische und neurobiologische Gründe.

Für unser Kollegium stellte sich die Frage „Nehmen wir ein lernbehindertes Kind bei uns auf?“ im Frühsommer 2009, als Jonathan, ein Kind mit Trisomie 21, besser bekannt unter „Down Syndrom“ mit seiner Familie in unserer Schule ankam.

Seit dem Schuljahr 2009/2010 haben wir sie nun auch bei uns in Hochzoll Süd: Die Inklusion!

Der Schulanfänger wurde offen von allen aufgenommen und lernt seit September 2009 mit 18 Mitschülern in der Klasse 1/2d. Dort arbeiten Schüler in den Fächern Mathematik und Deutsch teilweise im modularisierten Unterricht. Dieses individualisierende „Lernen in Bausteinen“ ermöglicht es allen Schülern im jeweils eigenen Lerntempo die Unterrichtsinhalte zu lernen.

Seit dem Schuljahr 2011/12 haben wir zwei weitere inklusive Klassen an der Schule.

Es lässt sich eine durchwegs positive Bilanz für alle Beteiligten ziehen.

Nicht nur Jonathan profitiert von der Inklusion enorm. Im sozialen Bereich profitieren alle Kinder ganz deutlich. Studien haben dies schon längst belegt. Das Selbstwertgefühl steigt, die Toleranz nimmt zu, Schüler agieren umsichtiger und können sich besser in andere hineinversetzen. Gesunde Schüler erkennen, dass auch Behinderte vielfältige Fähigkeiten haben und Jonathan lernt, mit seinem Handicap besser umzugehen.

„Integration ist Kraftfutter für Kindergehirne“, erklärt der Neurobiologe und Lernforscher Gerald Hüther. Das kann man nur bestätigen. Man muss die Heterogenität nur nutzen! Je unterschiedlicher die Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Wissen und Können bei Schülern sind, desto mehr können sie voneinander und miteinander lernen. Schulanfänger haben- das erleben wir als Lehrer oder Eltern schon immer - eine enorme Motivation, neue Dinge zu entdecken, neues zu lernen. Angst, Schulfrust und Lustlosigkeit sind aber häufig die Folge, wenn Lernen als Wissenserwerb nur dazu dient, gute Noten zu erlangen. Die Freude am Lernen und eigenen Gestalten sollte immer im Vordergrund stehen.

Das ist eine große Herausforderung für uns als Pädagogen und nicht jeder Tag gelingt gleich gut.

Aber für die kulturelle Identität einer Schule, für die Feste, die großen und kleinen Rituale in dieser Gemeinschaft ist die Wahrnehmung und Wertschätzung von Verschiedenheit nicht weg zu denken. Die Schule muss für die Kinder da sein- nicht umgekehrt!

Stefanie Kuhlins